Dringliche Motion Fraktion GFL/EVP (Tanja Miljanović, GFL / Mirjam Roder, GFL): Transformationswissenschaften gehören in die Energie- und Klimakommission

Nachhaltige Entwicklung ist die Herausforderung unserer Zeit. Sie ist zugleich Grundvoraussetzung, um die akute Klimakrise einzudämmen und die Erderhitzung auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Stadt Bern hat die ersten Schritte unternommen und sowohl ein Klimareglement als auch eine Rahmenstrategie für Nachhaltige Entwicklung auf der Basis der Agenda 2030 verabschiedet. Ferner hält die Stadt fest, dass sie “direktionsübergreifend und in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft” zusammenarbeiten wolle. Soweit so gut. Aber reicht das auch? 

Die gemeinderätliche Energie- und Klimakommission ist in Bezug auf die nachhaltige und klimaneutrale Entwicklung der Stadt Bern ein wichtiges Sounding Board für den Gemeinderat und seine Geschäfte. Heute ist in diesem Gremium nur ein Wissenschaftler vertreten, und zwar der Leiter der Unit Klimatologie des Geographischen Instituts der Uni Bern. Eine zentrale und sinnvolle Ergänzung zu diesem Systemwissen stellt ein:e Transformationswissenschaftler:in dar, die sich mit Prozessen auskennt, wie eine Gesellschaft oder Organisation von einem Ist-Zustand zu einem Soll-Zustand gelangt. 

Soll die Klimakrise abgewendet werden, reicht das seit Jahrzehnten angesammelte technische und System-Wissen nicht aus, einen nachhaltigen Wandel umzusetzen. Wandel ist mehr als nur Wissen – es ist ein Prozess. Oder anders gesagt: die sozialen Dilemmas der nachhaltigen Entwicklung können wir nur mit einer guten Governance lösen. Die Stadt muss lernen, wie Transformationsprozesse aufgegleist werden, wie Bevölkerung, Verwaltung und Wirtschaft verlinkt, motiviert und mit an Bord geholt werden. Manchmal ist die offensichtlichste Lösung langfristig nicht die beste. Aber genau mit solchen Themen setzen sich Transformationswissenschaftler:innen, zum Beispiel am Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Bern, auseinander.

Soll im gemeinderätlichen Sounding Board der Energie- und Klimakommission die “Wissenschaft” tatsächlich adäquat vertreten sein, sollte im Mindesten sowohl das Systemwissen als auch das Transformationswissen Einzug finden.

Antrag:

Der Gemeinderat wird höflich aufgefordert:

  1. die “Vertretung aus der Wissenschaft” in seiner gemeinderätlichen Energie- und Klimakommission durch ein weiteres ständiges Mitglied aus der Forschung zu erweitern. Das neue Mitglied soll zwingend aus einem Forschungsbereich des Transformationswissens kommen.

Begründung der Dringlichkeit

Die gemeinderätliche Energie- und Klimakommission tagt bereits seit Anfang 2022. Es ist wichtig, dass ein:e Transformationswissenschaftler:in ins Gremium aufgenommen wird, bevor sich die neue Kommission konsolidiert, damit gute Lösungen und Massnahmen des Gemeinderates nicht zu schlecht umsetzbaren Papirtigern verkümmern.